Schmatz & Schmüsli: Der Funkenschlag (Teil 3)

„Wozu haben Bären eigentlich so ein dickes Fell, wenn es ihnen dann doch bis auf die Haut regnen kann?“ Keule schüttelte seinen mächtigen Körper. Dabei spritzte es in alle Richtungen, als wäre er gerade mit Anlauf ins Wasser gesprungen.

Schmüslis Kopf wippte zustimmend. Sie war nass bis hinter die Mauseohren. „W-w-w-enn e-s-s-s nur n-n-n-n-icht so k-k-k-k-alt w-w-w-äre“, flüsterte sie. Ihr Atem formte sich zu einer Wolke.

„Muhaarrrr!“ Der Grizzlybär blieb stehen und riss seine Arme nach oben.

„Was ist los?!“, schrie das Mausemonster.

„Schau, dort vorne! Da ist ein Licht.“ Der Bär deutet mit seiner Tatze auf den Horizont. Es leuchtet rot. „Lass uns dort aufwärmen. Vielleicht kennt auch jemand den Weg zur Schniefmutter“, schlug Keule vor.

Das Mausemonster nickte erneut. Alles war besser, als hier draußen zu bleiben. Und einen Ratschlag, in welche Richtung sie gehen sollten, hatten sie bitter nötig. Die Fährte der Schniefmutter hatten sie bereits vor Stunden verloren.

Schritt für Schritt kämpften sie sich durch den Schlamm. Der Umriss einer großen Holzhütte zeichnete sich ab. Über den Fenstern waren rot blinkende Lettern angebracht, die Namen „Funkenschlag“ bildeten. Dem Mausemonster wurde es schlagartig unwohl. Sie erinnerte sich, schon einmal von diesem Ort gehört zu haben. Die Bar galt als dunkelste Spelunken am Rande des Fliederwunderwaldes.

Der Funkenschlag

„Vielleicht ist das doch keine so gute Idee. Wer weiß, was sich da für Gestalten rumtreiben“, gab sie zu bedenken.

Keule schüttelte den Kopf: „Sie werden nicht schlimmer sein, als die Gäste, die ich zu deiner Hochzeitsfeier in der letzten Reihe gesehen habe.“ Schmüsli zuckte mit den Schultern. Sie war froh, dass der muskelbepackte Grizzlybär bei ihr war. Alleine hätte sie sich niemals in die Hütte getraut.

Mausemonster waren zwar von Natur aus eher mutige Monster, doch den meisten Gestalten im Fliederwunderwald waren die recht kleinen Lebewesen körperlich unterlegen. Zudem führte Schmüslis Schokoladensucht dazu, dass sie ein stattliches Bäuchlein vorwies – nicht wirklich ein Vorteil im Kampf. Da war so ein Grizzlybär eine ganz andere Nummer. Schon wenn er beim Gähnen sein Maul aufriss, versteckte sich sein Gegenüber unter dem Tisch – aus Angst, verschluckt zu werden.

Die beiden Abenteurer waren nur noch wenige Schritte vom Eingang entfernt, da hörten sie seltsame Grunzlaute und ein tiefes, unheimliches Gelächter. Durch die Fenster konnten sie nichts erkennen, da die Scheiben beschlagen waren. Sie hielten vor der Tür aus massivster Eiche. Schmüsli hob die Pfote, um vorsichtig anzuklopfen. Doch Keule war schneller. Er riss die Klinke hinunter und stürmte hinein. Sie stolperte ihm hinterher.

Der Funkenschlag

Beim Eintreten spürte sie eine wohlige Wärme. Es war so wundervoll, ihre Krallenspitzen kribbelten vor Freude. Doch dann merkten die beiden, dass alle Gäste verstummt waren. Sie starrten die Neuankömmlinge neugierig an. Schmüsli versteckte sich sofort hinter Keule. Über seine starken Schultern hinweg, erkannte sie Tanztrolle, die ihren massigen Körper lässig an die Bar lehnten und einen Giftzwerg, der direkt am Eingang saß und grünen Rauch ausatmete. Zwei Feiglinge beobachteten die Szenerie stumm vom Ende des Raumes und an der Bar mixte ein Rastafantastico bunte Getränke.

„Moin, wir sind auf der Suche nach Burg Schnetzelgemetzel. Kann uns jemand den Weg beschreiben?“, fragte Keule in die Runde.

Der Funkenschlag

„Burg Schnetzelgemetzel sagst du?“ Eine leise Stimme antwortet ihm. Alle Blicke richteten sich zur Bar. Ein kleines rotes Männchen kam hervor. Seine Hörner auf dem Kopf hätten ihn gefährlich aussehen lassen, wenn er nicht einem weißen Anzug mit Schlaghosen und Glitzersteine gesteckt hätte.

„Rudi Rasta! Reich unseren Gästen einen Aro-Aufheizer. Am besten einen Doppelten! Die sind ja ganz durchgeweicht. Und jetzt zu euch: Niemand will freiwillig zur Burg Schnetzelgemetzel. Warum wollt ihr dort hin?“

Der Funkenschlag

„Geschäfte“, antworte Keule knapp.

Der kleine rote Kerl kam näher auf sie zu. Er schleifte sein Bein hinter sich her und musterte die Ankömmlinge als würde er in ihren Gesichtern die Wahrheit lesen. Als er vor ihnen stand, streckte er seine Hand aus. „Ricky ist mein Name. Aber nennt mich doch Mister Knister. Bekannt auch als der heißester Feger jenseits von Gut und Böse. Und mit wem habe ich die Ehre?“

„Im Fliederwunderwald bin ich bekannt als Keule und meine bezaubernde Begleitung heißt Schmüsli, sie ist ein Mausemonster“, erklärte der Grizzly.

Der Rastafantistico kam mit zwei Gläsern voll brauner Flüssigkeit heran gestampft. Er reichte es den Gästen. Schmüsli schnupperte vorsichtig an dem Gesöff. Der Geruch vernebelte sofort ihre Sinne. Sie unterdrückte ein Würgen, grunzte allerdings durch die Nase.

„Nur zu … “, flüsterte Ricky, der die beiden Gäste nicht aus dem Blick lies.

Keule kippte sein Glas sofort runter. „Sapperlot und Mäusedreck, das haut einen Grizzly ja glatt aus dem Fell“, grölte der Bär und lachte. Das Mausemonster zögerte, sie trank ja fast ausschließlich heiße Schokolade. Nur ganz selten verirrte sich auch einmal ein Schuss Rum in ihr Getränk. Allerdings wollte sie den Gastgeber nicht verärgern und so kippte das Mausemonster die Brühe herunter.

Der Funkenschlag

Blitzartig schnappte Schmüsli nach Luft. Ihre Schnauze brannte, als hätte sie an zehn Chilli-Schoten gleichzeitig geknabbert. Sie schoss wie eine Rakete an die Decke, wirbelte um ihre eigene Achse und donnerte wieder zu Boden. Ihr Körper fühlte sich an, als würde er brennen. Wenigstens war ihr jetzt nicht mehr kalt.

„Sind wir uns schon irgendwo einmal begegnet?“, fragte Ricky das Mausemonster. Doch Schmüsli war unfähig, auch nur ein Wort zu sagen. Sie zuckte mit den Schultern und hoffte inständig, nicht aus den Ohren zu qualmen.

„Doch, doch, ich kenne dich. Du warst bei den Tanzmaus-Meisterschaften.“

Verdammt! Das durfte doch niemand wissen. Es war jetzt wichtig, sofort zu antworten. Sie riss sich zusammen, formte ihre Lippen, sprach aber als hätte sie eine heiße Kartoffel im Mund. „Chie müschen mich verweschseln. Isch habe schwei linke Füsche. Und auscherdem schind Mauschemonschter bei den Tantschmausch-Meischterschaften verboten“, erklärte sie und strich sich den Schweiß von der Stirn.

„Zwei linke Füße meinst du?“ Mister Knister kniff die Augen zusammen, als wolle er Schmüslis Aura erfühlen. „Das werden wir ja sehen. Rastafantastico, könntest du bitte Musik machen? Du weißt schon, Zumbar wäre angebracht.“

Die Gäste begannen zu murmeln und zu kichern. Sie standen alle auf und lockerten ihren Körper. Keule schaute verwirrt zum Mausemonster.

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