Schmatz & Schmüsli: Der Geheimgang (Teil 6)

Schmüsli und Keule waren die ganze Nacht durch gelaufen. Seit sie den Funkenschlag verlassen hatten, hatten sie keine Pause gemacht. Jetzt drängten die ersten Sonnenstrahlen durch die dunkle Wolkendecke und strahlte den vor ihnen liegenden Todesberg an. Der sagenumwobenen Berg wirkte wie ein kantiger Krieger, der keinen Eindringling duldete. Die Gestalten des Fliederwunderwaldes erzählten sich, dass alle die versucht hatten, ihn zu bezwingen, nicht wieder nach Hause gekehrt waren. Den Gerüchten zufolge hauste der Teufel höchstpersönlich auf seiner Spitze.

„Was für ein schauriges Naturspektakel!“, staunte der Grizzlybär Keule. „Ihn zu besteigen, wird uns nicht gelingen. Doch wenn Ricky Knister recht hat, dann gibt es hier einen geheimen Eingang zum Underground.“

Schmüsli war sich nicht sicher, ob sie lieber den Bergteufel begegnen wollte oder dem Feuerteufel aus der Bar trauen. Doch Keule hatte seine Entscheidung schon getroffen und suchte die Landschaft ab. Kein Wunder, es würde schwer sein, seinen wuchtigen Körper an den spitzen Steinen des Todesberges hochzuziehen. Doch die Alternative war nicht sehr viel besser: Dornige Sträucher pflasterten den Weg. Als würde die Bergwache mit ihren langen, stacheligen Waffen Eindringlinge abhalten.

„Meinst du, Ricky Knister hat uns angelogen? Ich habe noch nie von diesem Underground-Schuppen gehört. Er ist wahrscheinlich für sterbliche Monster nicht auffindbar. Hier ist doch die pure Einöde und außerdem … Aua!“, kreischte das Mausemonster. Ein Dorn hatte sich in ihre Wade gekrallt. Das Gestrüpp war inzwischen sehr dicht geworden. Konzentriert krochen sie untern den stachligen Pflanzen hindurch.

„ Vielleicht haben wir den Eingang schon übersehen und sollten erst einmal ein kurze Pause machen“, schlug Keule vor und brüllte plötzlich: „Fass mich nicht an!“ zu einem Dornenstrauch, der sich ins sein Fell ritzte. Der kräftige Grizzly riss die Pflanze zur Strafe aus dem Boden. „Dieses stechende Unkraut senkt rapide die Laune“, kommentiert er das Geschehen, warf das Gestrüpp durch die Luft und kickte wütend einen Stein hinterher. Nach einem kurzen Flug hörten sie ihn dumpf aufprallen.

„Was war das?“, fragte das Mausemonster.

„Verzeih meinen Wutanfall. Ich bin ein bisschen müde“, entschuldigte sich der Bär.

Schmüsli schüttelte den Kopf: „Ich meine das Geräusch.“ Sie drängte sich an einem besonders dicken Strauch vorbei und kroch unter den Dornen zu der Stelle, wo der Stein gelandet war.

„Du Genie!“, rief Schmüsli erfreut. „Du hast es gefunden!“

Keule kam näher und erkannte eine Bodenluke, markiert mit einem roten Kreis und einen blauen Balken, auf dem mit weißen Lettern das Wort „Underground“ geschrieben war.

„Endlich!“, freute er sich und riss an der Luke. Doch sie bewegte sich keinen Zentimeter. Verärgert über diese Unverschämtheit begann er, auf die Tür wild einzutrommeln. Schmüsli wollte gerade dazwischen gehen, da öffnete sich die Tür einen Spalt.

„Hey, wassss soll dassss?“, zischte es hervor. Zu sehen waren nur eine rote Zunge, zwei leuchtende Augen und das grüne Schimmern einer Schlangenhaut.

Keule übersprang den Aufwärm-Teil und kam gleich zur Sache: „Na endlich, wir haben schließlich nicht ewig Zeit. Wir wollen zum Wüstenkobold. Führe uns zu ihm“, befahl er.

„Du willssst mir Befehle erteilen? Tsssss.“ Schmüsli war es, als würden die Augen der Schlange bei diesem Befehl aufleuchten.

„Wir wollen dich bitten“, ging das Mausemonster dazwischen. „Wir wären hocherfreut, wenn du uns zu ihm zu führen kannst. Wir sind in einer dringenden Angelegenheit hier. Es geht um Monsterleben. Nein, viel mehr steht das Wohl aller auf dem Spiel. Wir müssen einen Anschlag vereiteln und der Wüstenkobold kann uns dabei helfen. Bitte, lass uns hinein!“

Einen kurzen Moment lang war nichts zu hören. Kein Windrauschen, kein Atem, nichts. Die Welt versank in einer endlosen Stille.

„Die kleine Ratte darf rein. Der Grobian nicht. Tssss“, entschied der Türsteher.

„Was soll das heißen?!“ Keule erhob seine Faust zum Schlag. Schmüsli stellte sich vor die Luke und hob beschwichtigend ihre Arme.

„Alles gut, Keule. Ich gehe erst einmal alleine hinein und wenn ich den Weg erfahren habe, komme ich wieder und hole dich. Einverstanden? So lange kannst du dich ein wenig ausruhen. Du bist doch müde von unserem langen Fußmarsch.“

Keule nickte und sackte in sich zusammen, wie ein kleines Kind, das daran erinnert wurde, das schon längst Schlafenszeit war. „Aber wer wird dich dann beschützen?“, hakte er nach.

„Ich bleibe ja nicht lange weg. Und für diese kurze Zeit, muss ich eben selbst einmal auf mich Acht geben“, erklärte Schmüsli.

„Sssseid ihr endlich ssssssoweit?“, zischte es erneut unter der Luke hervor. Schmüsli nickte.

„Also gut, geh du hinein. Aber wenn du Hilfe brauchst, ruf mich. Ich komme sofort und mache alles platt“, drohte Keule der Schlange.

„Ich bin bald zurück“, antwortete Schmüsli. Sie lächelte Keule zu und stieg in die Tiefen des Untergrunds.

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