Versumpft

Alles begann an dem Tag, als mein Rückgrat brach. Lange Zeit hatte es geknarzt und geächzt, aber schließlich machte es ernst und verabschiedete sich mit einem ohrenbetäubenden Paukenschlag. Zu oft hatte ich genickt, obwohl ich Nein sagen wollte; hatte weggeschaut, wenn ein anderer fertiggemacht wurde; hatte gelächelt, wenngleich mir nach Schreien war. Ich hatte alles mitgetragen, obwohl ich wusste, dass es falsch war. Zum Teufel, jetzt bekam ich die Rechnung dafür. Dabei hatte ich es mir nie leicht gemacht und bis zum Schluss gehofft, die Situation zu ändern. Die Zuversicht…

Die Revolution der Buchstaben

Wenn ich morgens aufwache, lege ich mein Superhelden-Cape um und fliege eine erste Runde über Sankt Augustin. Das mache ich am liebsten im Schlafanzug, denn diese hautengen Superhelden-Anzüge zwicken an jeder Stelle. Darin schwitzt du wie ein Ferkel beim Schlachter und kaschieren kannst du da auch nichts. Jedes Stück Schokolade, das du heimlich genascht hast, formt sich gleich zu einem Rettungsring um den Bauch. Gut. Ist gar nicht so weit voneinander entfernt: Superhelden und Rettungsringe. Vielleicht würden sie mit der Zeit über mich sagen: »Das ist doch die, bei der…

Nachricht aus Nizza

»C’est vraiment grave!«, betonte Monsieur Misery. Es ist wirklich schlimm!, übersetzte mein Gehirn etwas zeitversetzt. Ich hielt inne, horchte in mich hinein, erwartete eine Flut an Emotionen, ein Schluchzen, vielleicht ein verzerrtes »Oh mon dieu!«, doch mein Körper entschied sich für ein einfaches Nicken. Das war natürlich die dümmste Reaktion, weil ich hier in Deutschland saß und mit dem Krankenhaus in Nizza telefonierte. So war es nicht verwunderlich, dass sich Monsieur Misery noch einmal erkundigte: »Haben Sie alles verstanden?« Ich fasste die Fakten auf Französisch zusammen, nur um sicherzugehen: »Mein…

Ansichtssache

»Und du darfst nicht vergessen: Der Syrer, der zu uns kommt, hat noch sein Syrien. Wenn wir Deutschland verloren haben, haben wir keine Heimat mehr«, gab Bernd zu Bedenken und prostete mir mit einem Kölsch zu. Nachdenklich führte ich mein Glas zum Mund, verschluckte mich, hustete und spuckte – aus Versehen – in seine Richtung. Hatte er das gerade wirklich gesagt?

Schmatz & Schmüsli: Der Bauchkrauler (Teil 5)

“Wuaahhhr!“, mit einem gruseligen lauten Schrei schreckte Schmatz aus seinen Träumen. Was für ein Wahnsinn. Er hatte geträumt, von einer stinkenden Königin, der bösen Schniefmutter entführt worden zu sein. Die ganzen Vorbereitungen zum Monsterbund hatten ihn wohl nervös werden lassen. Er streckte die Hand nach seinem Schmüsli aus, doch griff ins Leere. Er machte die Augen auf und erschrak: Das war gar nicht in seiner Höhle, sondern ein unfreundlich anmutender, dunkler Raum. Schmatz stand auf und kniff die Augen zusammen, alles war verdammt unscharf. Er rieb sich über sein Gesicht…