Piraten ahoi! (Teil 1)

Smutje gesucht

„Moin, Moin!“, rief ein junger Mann mit der Augenklappe, als er eine dunkle Spelunke betrat. Für einen Augenblick hielten alle Gäste in der düsteren Kneipe den Atem an. Ein Dutzend Augenpaare musterten den Neuankömmling. Seine weißes Hemd und seine schwarze Hose waren zwar dreckig, aber nicht zerschlissen wie die Kleidung eines Raufboldes.Sein Krummsäbel war blitzeblank geputzt, doch war er recht kurz und sah wenig bedrohlich aus. Und so widmete sich die Schar der Raffgierigen und Verfluchten wieder ihren Gesprächen und Geschäften.

Der junge Mann schritt an den Tresen und pfiff dabei ein fröhliches Seemannslied: „Alle, die mit uns auf Kaperfahrt fahren…”. Mit kleinen Tippelschritten folgte ihm ein pelziges kleines Wesen. Er war ein Mausemonster, das ihm gerade bis zu den Waden reichte.

„Wat darf es sein?“, brummte der Wirt, als die beiden es sich an der Theke bequem machten.

„Ein Glas ihres besten Rums!“ bestellte der junge Mann. “Und heiße Schokolade für meinen Freund Monsi!“

„Heiße Schokolade? Ihr wisst wohl nicht wo ihr hier seid? “ knurrte der Wirt.

„In der Spelunke zur alten Unke?“ fragte das Mausemonster und kicherte. Der Wirt verzog sein Gesicht zu einer hässlichen Fratze. Seine Augen waren zusammengekniffen, seine Lippen wie zu einem Fischmund geformt und die Hände zur Faust geballt. Schnell fügte der junge Mann hinzu: „Schenk’ ihm einfach etwas Schokilikör ein. Er braucht das Zeug“ und dann beugte er sich nach vorne, um den Wirt leise zuzuflüstern: “Ich glaube, er ist abhängig von Schokolade”.

Der massige Wirt antwortete nicht und zog seine wulstige Augenbraue nach oben. Schließlich schüttelte er den Kopf, griff nach zwei Gläsern und füllte sie mit Rum.

„Das ist das einzige Getränk, was ihr hier bekommt,“ bemerkte er trocken und stellte die Gläser vor die zwei hin.

„Ich bin übrigens der Augenklappen Hein”, stellte sich der junge Mann vor und nahm einen kräftigen Zug. Das Mausemonster nippte nur und kicherte dann: „Oh, wie das kribbelt…!“

„Wer von deinen Gästen sucht derzeit noch zwei stattliche Seemänner für seine Mannschaft?“ erkundigte sich Hein.

„Captain Sparky, sucht noch nach einem Smutje. Aber nicht dass wir uns falsch verstehen, er hat sicherlich kein Interesse an einem Flatterhemd wie dir und einer vorlauten Maus. Außerdem munkelt man, dass er schon fünf Smutje auf dem Gewissen hat. Ihnen allen war es nicht gelungen, ein Gericht zu kochen, das seinem Opa, dem Seeräuber Fabian, geschmeckt hat. Und weil Fabian der Fiese sehr grimmig werden kann, wurden die armen Gestalten an die Haie verfüttert“, berichtete der Wirt mit einem breiten Grinsen.

„Oh, wie unangenehm…“ murmelte das Mausemonster und fächerte sich mit seinem Schwanz aufgeregt Luft zu.

„Wo kann ich ihn finden”, fragte Augenklappen Hein unbeirrt.

„Dort hinten”, antwortete der Wirt und deutet auf einen Mann, der am Tisch neben dem Fenster saß. Dann widmete er sich einem anderen Gast.

„Der sieht nicht wirklich gastfreundlich aus…”, flüsterte das Mausemonster.

„Sei kein Weichei, Monsi. Wir stellen uns diesem Captain einfach mal vor. Ich als der Smutje und du als meine Küchenhilfe“, schlug Hein vor und kraulte seinen pelzigen Freund hinter den Ohren.

„Kann ich nicht der Smutje sein?“

„Nein, so ein Quatsch. Kennst du denn eine Maus, die jemals ein Smutje war? Was machst du denn, wenn der Captain einen Gänsebraten essen will? Du kannst ja nicht einmal das Beil über deinen eigenen Kopf heben. Willst du die Gans dann so lange mit Schokolade voll stopfen bis sie platzt?!“

Monsi zog seine Stirn zusammen, überlegte einen Augenblick und murmelte dann: „Wäre eine Möglichkeit…“

„Nein, Monsi. Küchenhilfe ist die bessere Wahl. Du weißt schon wegen der Mäusedamen. Wer will schon den Smutje, wenn er die Küchenhilfe haben kann?!“

Monsi neigte seinen Kopf und dachte darüber nach. Dann aber nickte er und sagte „Hast recht! Das klingt logisch!“.

Sofort verlor er sich in seinen Gedanken. Was wäre das für ein tolles Gefühl, mit einer feinen Mausedame in einem Schokobrunnen-Whirlpool zu baden? Es würde so wundervoll duften und er würde der Mäusedame dann von seiner Arbeit als Küchenhilfe erzählen. Und sie würde…. – Ein Klaps von Hein auf den Hinterkopf holte ihn wieder in die Realität.

„Keine Zeit für Träumereien. Wir gehen jetzt zu Captain Sparky. Und denk dran, überlass’ das Reden mir! Captains verhandeln nur ungern mit Mausemonstern. Eine alte traditionelle Gewohnheit, weißt du?“

„Kann ich gar nicht verstehen…“ murmelte Monsi und sprang von seinem Hocker.

Related posts